Staatsanleihen | Schuldverschreibungen | Staatsverschuldung

Staatsanleihen sind kurz-, mittel- oder langfristige Schuldverschreibungen die von Staaten ausgegeben werden um neue Investitionen tätigen zu können oder Lücken im Haushaltsplan zu schließen.  Staatsanleihen werden in heimischer Währung, oder in fremder Währung ausgegeben. Typische Fremdwährung ist nach wie vor der US-Dollar, aber auch andere harte Währungen wie z.B. der Euro sind gebräuchlich.

 

Da im Falle vieler ausstehender Staatsanleihen (also einer hohen Staatsverschuldung) die Rückzahlungswahrscheinlichkeit naturgemäß sinkt, gibt es einen engen Zusammenhang zwischen dem Rating eines Landes und seiner Staatsverschuldung. Eine Reihe entwickelter Länder wird (wurden) von den privaten internationalen Rating-Agenturen sehr hoch eingestuft, obwohl deren Verschuldungsgrad, gemessen in Prozent der jährlichen Wirtschaftleistung (dem Brutto-Inlands-Produkt) teils besorgniserregende Dimensionen erreicht haben. Hingegen sieht die Situation in vielen Schwellenländern sehr viel besser aus. Ihre Staatsverschuldung ist oft nur halb so hoch und ihre Haushaltsdefizite sind deutlich besser als in den etwickelten Ländern. Hinzu kommt ein Wirtschaftswachstum welches das der alten Industrienationen deutlich in den Schatten stellt. So betrugen die Wachstumsraten der sog. BRIC-Staaten für das Jahr 2010 für China 10,3 %, für Russland 3,8 %, für Indien 8,5 % und für Brasilien 7,5 %. Darüber hinaus verfügen diese Länder über eine weit jüngere Bevölkerung, die die Altersversorgungssysteme in Zukunft weit weniger belasten werden und teils auch über eine konsistentere und progressivere Wirtschaftsplitik.

 

Sehr zum Missfallen westlicher Politiker sind die Rating-Agenturen gerade dabei ihre katastrophalen Fehleinschätzungen zu korrigieren. Während es für europäische Staaten Herabstufungen am laufenden Band hagelt, können sich immer mehr Schwellenländer über Hochstufungen ihrer Kreditwürdigkeit freuen. Das Rating-Duell zwischen den BRIC Staaten und den sog. PIIG Staaten verläuft klar zu gunsten der New Economies. Folgend eine kurze Gegenüberstellung der S&P Länderratings in Heimatwährung von BRIC- und PIIG- Nationen (Stand Nov. 2011).

  •  Brasilien   A                                 Portugal         BBB-
  •  Russland  BBB+                           Irland             BBB+
  •  Indien      BBB-                            Italien             A
  •  China       AA-                              Griechenland  CCC

 

Nimmt man hinzu, dass sich in den letzten Jahren nicht nur die Kreditwürdigkeit der Schwellenländer verbessert hat, sondern in der überwiegenden Zahl der Fälle deren Währungen auch noch deutlich zugelegt haben im Vergleich zu US-Dollar und Euro spricht aus unserer Sicht vieles für ein Engagement in Schwellenländeranleihen in deren Heimatwährung.

 

Deutsche Staatsanleihen (Bundeswertpapiere)

In Deutschland können Bundeswertpapiere über die Börse, oder direkt bei der Bundesrepublik Deutschland Finanzagentur erworben werden. Vorteil des Erwerbs über die Finanzagentur ist die kostenlose Kontoführung, spesenfreie Zins- und Kapitalzahlungen sowie gebührenfreie Transaktionen.  

 

Man unterteilt Bundeswertpapiere in folgende Kategorien:

 

Tagesanleihe:

Tagesanleihen werden täglich über die Erhöhung des Tagespreises verzinst. Mit dem Tagespreis steigt auch das Anlagevermögen von Tag zu Tag. Die orientiert sich am jeweils gültigen Zinssatz im Interbankenhandel, dem so genannten EONIA-Satz.

 

Finanzierungsschätze:

Finanzierungsschätze sind als Diskontpapier konstruiert, d.h. man zahlt bei Erwerb einen niedrigeren Betrag als den Nennwert, bekommt jedoch bei Fälligkeit exakt den Nennwert zurückgezahlt. Die Differenz ist der Zinsertrag.

 

Bundesschatzbriefe:

Man unterscheidet Bundesschatzbriefe in zwei Varianten, Typ A und Typ B

Der Typ A läuft sechs Jahre, Zinsen werden jährlich ausgeschüttet.

Beim Typ B werden Zinsen und Tilgungsleistung erst am Ende von sieben Jahren in einer Summe ausgezahlt.

 

Bundesobligationen:

Bundesobligationen haben eine vorbestimmte Laufzeit von fünf Jahren. Aktuelle Serien können direkt bei der Finanzagentur erworben werden, ältere nur über die Börse.

 

Bundesanleihen:

Bundesanleihen werden mit 10 oder 30 Jahre Laufzeit mit festen Nominalzinssätzen begeben, die Zinszahlung an die Inhaber der Papiere erfolgt einmal jährlich. Ein Direkterwerb von Bundesanleihen über die Finanzagentur ist ausgeschlossen, sie können nur über eine Börse erworben werden. Eine Übertragung erworbener Titel in ein bestehendes Schuldbuchkonto bei der Finanzagentur ist jedoch jederzeit möglich.

 

Bundesschatzanweisungen:

Bundesschatzanweisungen sind festverzinsliche Wertpapiere mit einer vorbestimmten Laufzeit von zwei Jahren. Sie können ebenfalls nicht direkt bei der Finanzagentur erworben werden.

 

Inflationsindexierte Bundesobligationen und -anleihen

Inflationsindexierte Bundesobligationen und -anleihen sind Schuldverschreibungen, mit feste Laufzeit und einem festen Zinskupon sowie einer zusätzlichen variablen Ertragskomponente.

Letztere dient dem Ausgleich der Preissteigerungen bei Gütern und Dienstleistungen. Man nennt diese Art der Anleihen auch Realzinsanleihen oder inflationsgeschützte Anleihen (inflation linked bonds). Zu beachten ist hierbei jedoch, dass der Zinssatz dieser Anleihen quasi nicht oder nur selten über den Prozentsatz des jährlichen Wirtschaftswachstum hinausgeht. Insbesondere dadurch das die gefühlte Inflation (also die Preissteigerung bei Gütern die wir täglich konsumieren, wie beispielsweise Lebensmittel oder Energie) deutlich über der veröffentlichten Inflationsrate liegt bieten diese Papiere tatsächlich keinen nenneswerten Schutz vor Inflation.

 

Unverzinsliche Schatzanweisungen (BuBills)

Bei unverzinslichen Schatzanweisungen handelt es sich um Wertpapiere mit einer Laufzeit von sechs oder zwölf Monaten. Sie sind so genannte Diskontpapiere, die Ausgabe erfolgt also wie bei den  Finanzierungsschätzen zu einem Preis, der unter dem späteren Tilgungsbetrag (Nennwert) liegt.