Wandelanleihen | Investment | Finanzen

Bei Wandelanleihen wird dem Käufer das Recht eingeräumt die Anleihe zu einem späteren Zeitpunkt bzw. während der Laufzeit in einem vorher festgelegten Verhältnis in Aktien des Emittenten umzutauschen. Der Investor erhält also die hohe Sicherheit einer Anleihe verbunden mit der Gelegenheit von einem deutlichen Kursanstieg der Aktie zu profitieren. Für das Privileg der Wandlung (kein Wandelzwang) gibt der Anleger allerdings etwas Wichtiges auf, er verzichtet dafür nämlich auf einen höheren Kupon, wie er beim Kauf der nichtwandelbaren Anleihe üblich wäre.

 

Von Wandelanleihen wird oft behauptet, sie seien sowohl für den Investor, als auch für das emittierende Unternehmen von besonderem Vorteil. Der Investor kann sich bei beschränktem Risiko über ein aktienähnliches Kurspotential freuen, währenddessen der Emittent zu günstigen Zinsen Kapital aufnehmen kann. Darüber hinaus bieten Wandelanleihen die Möglichkeit gewisse regulatorische Vorschriften zu umgehen. Institutionelle Investoren, insbesondere Pensionskasse sowie Stiftungen oder Anleger der öffentlichen Hand unterliegen oft Restriktionen bei der Vermögensanlage. Für sie gilt eine Aktienquote, die nicht überschritten werden darf. Wandelanleihen stellen in diesem Fall eine Möglichkeit dar diese Vorschriften zu umgehen.

 

Lohnt sich nun eine Anlage in Wandelanleihen für den privaten Investor:

Wir meinen es kommt drauf an. Eine interessante Studie von Ibbotson kommt zu dem Schluss, dass mit Wandelanleihen in der Zeit von 1973 ? 1998 eine jährliche Rendite von 11,8 % erzielt werden konnte, die damit nur knapp hinter dem Gesamtgewinn von Aktien mit etwa 13 % lag, aber deutlich vor einem gewöhnlichen Anleiheinvestment mit 9,5 %. Wobei das Risiko gemessen an der Standartabweichung (den Kursschwankungen) sogar noch unter dem des Anleiheinvestments lag. So gesehen bieten Wandelanleihen ein äußerst interessantes Chance- / Risiko- Verhältnis.

 

Befürchtet man nicht ganz zu unrecht, dass Wandelanleihen ähnlich wie Neuemissionen von Aktien, gerne in Boomzeiten beziehungsweise in den späten Zeiten eines Bullenmarktes emittiert werden, so besteht die Gefahr, dass das größte Kurspotential schon vorüber ist. Da streng genommen eine Wandelanleihe folgender Position entspricht: Anleihe + Call-Option (auf die Aktie) + Put-Option (auf die Anleihe) ist darüber hinaus die Bewertung einer Wandelanleihe für den unbedarften Anleger weitaus schwieriger nachzuvollziehen als bei einem normalen Anleiheinvestment.

 

Die wesentlichen Einflussfaktoren auf den Preis von Wandelanleihen sind:

 

  • Zeit bis zum Verfall des Wandelrechts (Zeitwert)
  • Volatilität (Schwankunksbreite) der wandelbaren Aktien
  • Das allgemeine Zinsniveau
  • Die Qualität des Schuldners

In Zeiten sinkender Aktienmärkte weisen Wandelanleihen oftmals eine bessere Performance auf als eine Direktanlage in Aktien, allerdings schneiden sie dann nicht so gut ab wie andere Anleihen. Die Frage, ob Wandelanleihen einen signifikanten Anteil am Wertpapierportfolio einnehmen sollten, wird also maßgeblich von der Einschätzung abhängen, in welcher Marktphase (Bullen- oder Bärenmarkt) wir uns befinden.