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Kapitalanlage: Kann man den Markt schlagen?

Erstellt von Stefan Schöffel | | Kapitalanlage

Eine Frage, die bei der Kapitalanlage stets auftaucht: Kann der Markt mit der richtigen Anlagestrategie geschlagen werden? Was sagen Anlage-Experten dazu?

Gespräche über Geld und Kapitalanlage können mitunter sehr kontrovers verlaufen. So erst kürzlich geschehen, als in einem Gespräch unter Freunden hinsichtlich Börsenentwicklungen folgende Frage aufkam: “Ist es möglich mit einer ausgeklügelten Anlagestrategie den Markt zu schlagen?” Und wie immer zeigten sich recht schnell unterschiedliche Positionen innerhalb der Gesprächsgruppe. Während die Einen auf einem kategorischen “Nein” beharrten, hielten sich Andere wiederum komplett mit einer Antwort zurück und die dritte Gruppe begann ihre Antworten stets mit einem “Ja, wenn….”. Und genau um jenes “wenn” ging es dann auch in Folge. Da fielen dann Schlagworte wie richtiges “Timing beim An- und Verkauf”, das “finden von unterbewerteten Aktien -Perlen”, “der Nutzung von historischen Daten” und so weiter. Ergebnis des Gesprächs? Offen, aber zumindest mal mit folgender Erkenntnis: Die Fragestellung an sich ist spannend…

Kapitalanlage: Kann man den Markt schlagen…?

Eine sehr schöne Frage, die wir hier einfach so zwischen zwei Fundamentalanalysen von unseren Robo-Advisor Freunden gestellt bekommen haben.

Klar, jeder halbwegs selbstbewusste Investor wird für seinen jeweils betrachteten Markt sofort eine Wette eingehen, dass er ganz sicher und ohne Einschränkungen mehr weiß als die Masse der übrigen Investoren. Somit ist er auf jeden Fall in der Lage, eine bessere Performance als der Durchschnitt der Investoren bei der Kapitalanlage zu erreichen. Aber wie sieht es beim zweiten Blick aus? Ist es wirklich so, dass Märkte geschlagen werden können? Und was ist überhaupt dieser Markt? Wann hat man ihn denn nun geschlagen?

Stellen wir die Beantwortung der Frage also noch für einen Moment hinten an.  Widmen wir uns zunächst dem Versuch einer Definition der einzelnen Bestandteile der Fragestellung.

Wer oder was ist also überhaupt dieser Markt?

Rein formal betrachtet kommt ein Markt immer dann zustande, wenn Angebot und Nachfrage für ein bestimmtes Gut, eine Ware oder eine Dienstleistung zusammentreffen und sich eine Transaktion zwischen mindestens zwei Vertragspartnern ergibt. Beispielsweise dann, wenn ein Autohändler einen Wagen zu einem bestimmten Preis anbietet und ein Käufer zu diesem geforderten Preis zuschlägt. Aus der Summe aller Abschlüsse in einem bestimmten Zeitraum ergeben sich dann Durchschnittspreise für bestimmte Modelle und Fahrzeugtypen. Andererseits gibt es auch Güter für die regelmäßig kein Abschluss erfolgt, weil Angebot und Nachfrage nicht auf einen Nenner zu bringen sind. Häufig ist dies bei sogenannten öffentlichen oder freien Gütern der Fall. Beispiel Luft: Hier kommt dann eben kein Markt zustand, weil niemand bereit ist, für Luft auch nur eine kleinste Werteinheit zu bezahlen.

Einigen wir uns also an dieser Stelle darauf, dass wir versuchen werden, die Ausgangsfrage im Kontext von tatsächlich zustande kommenden Märkten zu beantworten. Somit ist auch klar, dass wir grundsätzlich von allen möglichen Investitionen in unterschiedliche Güter und Dienstleistungen sprechen können. An dieser Stelle wollen wir uns der Einfachheit halber auf Wertpapiermärkte beschränken. Dies hat erstens den Vorteil, dass hier tagtäglich ein Markt zustande kommt. Außerdem gibt es deren Unzählige mit Millionen Marktteilnehmern. Anders als zum Beispiel auf dem Markt für Oldtimer oder für Weine. Hier kommen oftmals nur wenige Marktteilnehmer zusammen und es finden weitaus weniger marktbeeinflussende Transaktionen statt.

Wir sind uns also nun im Klaren, dass wir zur der Beantwortung der Frage, den Aktienmarkt betrachten. Wunderbar. Sehr schön. Nur welchen? Den deutschen? Die Börse von Tadschikistan oder ganz einfach ausschließlich den Automobilsektor? Wir benötigen also eine weitere Festlegung und Definition. Wahrscheinlich wird es in der Realität so sein, dass je kleiner der Markt gefasst wird, immer mehr Insider- und Expertenwissen bei der Kapitalanlage zum Tragen kommt. Betrachtet man also ausschließlich den Automobilsektor in den USA, dann wird es annahmegemäß in vielen Fällen so sein, dass ein paar wenige Experten den Markt besser kennen. Die Masse der Investoren und diese Experten werden somit wohl auch leichter alle anderen Investoren schlagen. Umgekehrt gehen wir davon aus, dass ein sehr weit gefasster Markt Experten- und Insiderwissen eher in den Hintergrund treten lässt. In aller Regel wird hier also eher allgemeines Wissen und rationales Verhalten zu einer Outperformance bei der Geldanlage führen.

Folglich können wir zur Beantwortung der Fragestellung den relevanten Markt also hilfsweise mit dem sehr weit gefassten MSCI World Index abgrenzen. Jetzt haben wir also „einen Markt“. Wer oder was schlägt diesen dann eigentlich wann und wo?

Den Markt schlagen – aber wie und womit?

Zur Beantwortung dieser Frage ist wiederum zunächst die Gruppe der Duellanten zu klären. Vorstellbar sind hier beispielsweise institutionelle Fonds, Fachleute mit Musterdepots oder auch bestimmte Investitionsmethoden zur Aktienauswahl. Da sich unsere Freunde von RoboAdvisor und auch wir selbst in erster Linie mit der Frage auseinandersetzen, inwieweit automatisierte Prozess zu besseren Ergebnissen führen als beispielsweise das Expertenwissen von Fondsmanagern und Anlageberatern werden wir die Fragestellung im weiteren Verlauf versuchen, im Sinne von automatischen Aktienscreenern zu beantworten.  Kann also ein Aktienscreener den Markt, hier den MSCI World, schlagen?

Faktor 1: Der Anlagezeitraum

Bleibt die Frage nach dem Zeitraum. In Zeiten von computergesteuerten Transaktionen im Zeitraum von Millisekunden ist diese Frage durchaus relevant. Soll der Markt im Sinne einer möglichst effizienten Ausnutzung von Preisunterschieden an unterschiedlichen Börsen in Sekundentaktung geschlagen werden? Oder geht es darum innerhalb eines möglichst langen Zeitraums eine Outperfromance zu realisieren? Gehen wir an dieser Stelle davon aus, dass wir Aktieninvestoren betrachten, die im Sinne eines Value Investing Ansatzes von eher langen Anlagefristen ausgehen und sich mit Investitionen in Aktien beispielsweise über einen langen Zeitraum eine zusätzliche Rente aufbauen möchten. Für solch einen Investor sind dann 10 Jahre sicherlich ein realistischer Zeitraum für die angestrebte Outperformance.

Einigen wir uns also auf folgende Annahme zur Beantwortung der Fragestellung:

Ein privater Investor möchte im Zeitraum von 10 Jahren mit Hilfe eines geeigneten Hilfsmittels den MSCI World Index um mindestens 0.1% schlagen. Einverstanden?

Somit liegt die Messlatte dann bei einer jährlichen Wertsteigerung von 7,7% inklusive Dividendenzahlungen. Dies ist die durchschnittliche Jahresperformance des MSCI World seit 1975. Trauen wir uns also zu, mit geeigneten Hilfsmitteln mindestens eine Rendite in Höhe des MSCI World Index + 0.1% zu erwirtschaften?

Eine Investition in einen Fonds oder auch ETF, der sich bei der Zusammensetzung 1:1 an die Zusammensetzung des MSCI World hält, scheidet aus. Schließlich macht bereits eine Gebühr von nur 0.1% p.a. das Ziel unerreichbar, da der Fonds oder ETF selbst ja nur maximal die Performance des MSCI World erreichen kann.

Faktor 2: Die Anlagestrategie

Es wird also so sein, dass ein Investor, um den Markt zu schlagen, im Rahmen seiner Anlagestrategie seine Investments selbst gezielt und individuell auswählen muss. Dabei kann bei einem relativ langen Anlagehorizont von 10 Jahren davon ausgegangen werden, dass Aktien nach einem Value-Ansatz ausgewählt werden, um möglichst langfristig von Kursteigerungen und Dividendenzahlungen zu profitieren. Folglich ist es wichtig diejenigen Aktien aus der Vielzahl der international verfügbaren Investitionsmöglichkeiten herauszufiltern, die auf einem aktuell niedrigen Kursniveau im Vergleich zu ihrem inneren Wert liegen. Diese Aktien werden dann annahmegemäß langfristig besser abschneiden als der Durchschnitt der übrigen Aktien. Zur Zielerreichung müssen also Aktien gefunden werden, die auf dem jeweils aktuellen Kursniveau unterbewertet sind.

Leicht gesagt, schließlich nehmen sich bestimmt die meisten rational agierenden Investoren genau das tagtäglich vor. Schlauer zu sein als der Markt, oder eben durch einen gewissen Informationsvorsprung frühzeitig zu investieren, bevor die Masse der Investoren ebenfalls auf den fahrenden Zug aufspringt. Außerdem ist hier der knappe Faktor Zeit zu berücksichtigen. Wie viel Aufwand kann ein privater Investor aufbringen, um die ca. 1.600 Aktien des MSCI World regelmäßig auf deren Bewertung hin zu überprüfen?

Faktor 3: Die richtigen Analysetools bei der Kapitalanlage

Daher sind Analysemethoden notwendig, die zuverlässig, schnell und regelgebunden solche unterbewerteten Aktien kenntlich machen und herausfiltern. Eine Methode ist der von uns entwickelte Aktienscreener www.finanzoo.de

Hier werden die Fundamentaldaten und Bilanzkennzahlen von über 2.000 Unternehmen in einem Scoring-Model tagtäglich mit den aktuellen Kursdaten ins Verhältnis gesetzt und für jede Aktie ein Score berechnet. Diese FScore genannte Kennzahl ermöglicht eine Einschätzung zur Bewertung jeder einzelnen Aktie sowie einen Vergleich der Aktien untereinander. Bei einem FScore von 70 Punkten oder mehr liegt annahmegemäß eine Unterbewertung vor. Andererseits deuten FScores von weniger als 40 Punkten auf eine Überbewertung hin.

Halten Investoren sich bei Ihren Kapitalanlagen an diese Investitions- und Desinvestitionsregeln, dann sollte sich hieraus langfristig über einen Zeitraum von 10 Jahren eine Outperformance gegenüber dem Gesamtmarkt ergeben. Anlageentscheidungen werden dann somit frei von Emotionen oder von Eigeninteressen geleiteten Ratgebern getroffen und ausschließlich regelgebunden auf Grundlage fundamentaler Daten.

Was sagt die Empirie? Klappt das?

Zunächst ist klar zu sagen, dass diese Methode erst seit ca. Mitte 2016 verfügbar ist. Noch fehlt also ein ausreichend langer Zeitraum zur endgültigen Beantwortung der Fragestellung. Jedoch haben Modelrechnungen ab dem Jahr 2010 bis heute bei strikter Anwendung der Methode eine Performance von 172% ergeben. Also ungefähr eine jährliche Rendite von durchschnittlich 23%.

Unser Fazit?

Wagen wir uns also an eine abschließende Einschätzung. Kann der Markt geschlagen werden? Von unserer Seite aus ein “Ja”. Voraussetzung? Hinreichende und verbindliche Definition dessen, was überhaupt mit „der Markt“ gemeint ist. Mit einer dann passenden Anlagestrategie kann bei der Kapitalanlage der Markt geschlagen werden.

Wir wünschen allen Anlegern allzeit viel Erfolg bei der Auswahl geeigneter Investments.

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